RUHE/ PROJEKTWETTBEWERB RUFERHEIM NIDAU
 
Das Ruferheim in Nidau hat zu wenig Platz für seine Bewohner. Eine Erweiterung soll Abhilfe schaffen und zudem soll die betriebliche Organisation den heutigen Pflege- und Betreuungsabläufen angepasst werden.

Der Ort ist geprägt von einer multiplen Geometrie, die für den Leser nicht auf den ersten Blick fassbar ist. Unser Entwurf der Erweiterung des Ruferheims arbeitet mit der Orientierung des ursprünglichen Ruferhauses. Zwei neue Gebäudevolumen werden so platziert, dass das Ensemble der Altersstätte zusammengefasst und nach Süden und Osten abgeschlossen wird.

Durch diese Konfiguration wird ein introvertierter Innenbereich zwischen den Volumen geschaffen, welcher das ruhige Zentrum der Anlage bildet. Zur Unterstreichung dieses Raumes wird der bestehende gläserne Verbindungstunnel rückgebaut und das alte Ruferhaus wird wieder zum ursprünglichen Solitär. Der Raum vom Besucherparkplatz fliesst ungestört zwischen die Gebäude auf die Eingangsterrasse, deren präzise Kante den bestehenden Niveauunterschied von Erdgeschoss zu Sockelgeschoss klärt. Dieser Hofplatz, auf welchen sich der neue Haupteingang des Ruferheims öffnet, ist die Verbindungsplattform zwischen allen Gebäudevolumen des Altersheims.

Das Begegnungszentrum mit dem neuen Haupteingang des Ruferheims befindet sich im Mitteltrakt des bestehenden Haupthauses. Der Ostflügel wird als Administrations- und Personaltrakt ausgebildet. Alle operativen Nutzungen sind so zentral zusammengefasst für prozessoptimierte Abläufe. Von der Eingangshalle findet die Bewohnerin die Verbindung zum Ergänzungsneubau des Wohnheims. Über die bestehende Treppe oder den Lift erreicht sie den grosszügig verglasten Lounge-Raum mit Gartensicht, der dem grossen Mehrzweckraum im Sockelgeschoss vorgelagert ist.

Im Neubau befinden sich die Demenzabteilung mit 25 Zimmern und eine weitere Abteilung mit 28 Zimmern. Alle sind gegen Süden orientiert. Ihnen vorgelagert ist eine Begegnungs- und Erschliessungszone, welche als innerer Rundgang genutzt werden kann. Die frei positionierten Boxen mit den Pflegehilfsräumen schaffen variable Raumfolgen zum Spazieren, Verweilen oder Plaudern. Die rhythmische und abwechslungsreiche Fassade öffnet Durchblicke in den Garten. Der fliessende Rundgang wird abgeschlossen durch den Aufenthaltsraum mit Südloggia.

Das Gebäude der Alterswohnungen kann als unabhängige Bauetappe realisiert werden. Es beinhaltet fünfzehn Zweizimmer- und drei Dreizimmerwohnungen auf drei Etagen. Zu Gunsten der angrenzenden Einfamilienhäuser wurde auf eine vierte verzichtet. Das Konzept der beheizten Begegnungszone wird übernommen. Durch Reduit-Boxen strukturiert, bietet sie Ausblicke gegen den Kanal und die Morgensonne im Osten. Die gegen Westen gerichteten Wohnungen sind mit ihr durch ein Fenster in der Küche verbunden. Die Bewohner sehen sich, ein Austausch findet statt und die nachbarschaftliche Fürsorge ist gewährleistet.

Die Materialität der erdigen, eigenständigen Neubauvolumen ist mineralisch. Die Fassadenoberflächen bestehen aus einem abgeriebenen Sumpfkalkputz auf einer aussen liegenden Wärmedämmung. Die Fensterrahmen und die Verkleidungen für die Rafflamellen sind aussen aus dauerhaftem bronze eloxiertem Aluminium. Im Innern verwenden wir warme und pflegeleichte Euböolith Fliessbodenbeläge. Die Boxen sind mit behaglichen Verkleidungen belegt aus demselben Holz wie die Fensterrahmen. Wir erreichen mit diesen warmen natürlichen Materialien eine Geborgenheit und ein angenehmes Wohnklima.

Projektwettbewerb: 2011
Auslober: Gemeindeverband Ruferheim Nidau
Landschaftsarchitekten: Weber + Brönnimann AG
Bausumme: CHF 20 Mio

 
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